Die Ehe

„Heute braucht man nicht unbedingt zu heiraten, man kann auch so zusammen leben.“ Das werden Sie schon häufiger gehört haben. Aber es gibt nach wie vor die bewusste Entscheidung junger Leute, öffentlich und verbindlich das gemeinsa­me Leben zu beginnen. Für Christinnen und Christen ist es wichtig, den Segen Gottes auf dem gemeinsamen Lebensweg zu erfahren. Das Sakrament der Ehe ist das einzige, das nicht von einem Geistlichen gespendet wird. Die Brautleute spenden einander das Ehesakrament mit dem Ja-Wort, das den Bund fürs Leben schließt. Nach katholischer Auffassung ist die Ehe ein unauflöslicher Bund. Das Brautpaar verspricht sich Treue in guten und in schlechten Tagen.

Beim Laterankonzil (1139) wurde die Ehe erstmalig unter die Sakramente einge­ordnet. Seitdem setzte sich bei uns der Gedanke durch, dass es eine Ehe ohne Einwilligung beider Partner nicht geben sollte. Besonders junge Frauen gewannen gegenüber ihren Eltern mehr Selbststän­digkeit, etwa einen ungeliebten Partner zurückzuweisen.

1875 wurde im deutschen Kaiserreich die obligatorische (verpflichtende) Zivilehe eingeführt. Damit war das alleinige Ehe-schließungsrecht der Kirche aufgehoben. Das nahm aber der kirchlichen Trauung bis weit ins 20. Jahrhundert nichts von ih­rer Beliebtheit im Volk. Der Hochzeitstag behielt durch festliche Kleidung und alte Bräuche seine herausragende Stellung. Übrigens trug die Braut auf dem Lande noch bis ins 20. Jahrhundert ein schwarzes Kleid. In den Städten begann sich mit dem Ende des 19. Jahrhunderts das weiße Kleid durchzusetzen.

Häufige Fragen

Welches Pfarramt, welcher Pfarrer ist zuständig?

Zuständig ist das Pfarramt, bei dem Braut oder Bräutigam den Wohnsitz haben; ist nur ein Partner in der katholischen Kirche, so ist natürlich dessen Pfarramt zuständig. Sie können sich aber auch an jeden ande­ren Seelsorger wenden, zu dem Sie Ver­trauen haben.

Welche Unterlagen brauchen wir?

Sie benötigen als katholische Partner ei­nen Taufschein neueren Datums; dieser wird Ihnen vom Pfarramt des Taufortes ausgestellt. Bei Unsicherheiten hilft Ihnen Ihr Pfarramt gern weiter. Partner, die nicht Mitglied der katholischen Kirche sind, brauchen einen von der katholischen Kir­che anerkannten „Ledigennachweis”, den sie beim zuständigen Einwohnermeldeamt erhalten. Sie können auch eine eidesstatt­liche Erklärung abgeben.

Müssen die Trauzeugen katholisch sein?

Bei einer katholischen Trauung sind zwei Zeugen notwendig. Die Trauzeugen sollten sich zum christlichen Glauben bekennen. Rechtlich notwendig ist zur Trauzeugen-schaft ein christliches Bekenntnis nicht. Trauzeugen müssen mindestens 14 Jahre alt sein.

Wozu brauchen wir ein Traugespräch oder eine Ehevorbereitung?

Einige Monate vor Ihrer Hochzeit wird sich der Geistliche mit Ihnen zusammenset­zen, um ein Traugespräch zu führen. Die Bedeutung der kirchlichen Trauung und des katholischen Eheverständnisses stehen dabei im Mittelpunkt. Es sollen auch Ihre Anliegen zur Sprache kommen: Was ist Ih­nen wichtig? Warum möchten Sie kirchlich heiraten? Einen Teil der Gesprächszeit oder ein weiteres Gespräch können Sie auf die Fragen rund um die Form ihrer Feier ver­wenden.

Ehevorbereitungskurse sind nicht zwin­gend. Sie haben aber einen ganz besonde­ren Wert: zusammen mit anderen Paaren, die auf dem Weg zur Trauung sind, und angeleitet von erfahrenen und sachkun­digen Mitarbeitern, werden Sie ermuntert und ermutigt, all die vielen wichtigen Fra­gen zu stellen, die bei der unmittelbaren Hochzeitsvorbereitung oft auf der Strecke bleiben.

Gibt es eine katholische Trauung, wenn ein Partner nicht getauft ist?

Auch für die Eheschließung zwischen ei­nem Katholiken und einem Partner, der nicht christlich (getauft) ist, gibt es eine Trauung. Bei der Auswahl der Gebete und Texte wird Rücksicht auf den ungetauften Partner genommen: er muss keine Texte sprechen, die seinem Gewissen oder seiner Überzeugung widersprechen – allerdings muss das katholische Eheverständnis ge­wahrt bleiben. Nehmen Sie sich Zeit für ein ausführliches Vorgespräch!

Was bedeutet „ökumenisch“ heiraten?

Dass bei Ihrer Hochzeitsfeier Seelsorger beider Konfessionen mitwirken, ist grund­sätzlich möglich. Es gibt aber noch keine „Ökumeni­sche Trauung“ als eigenen Ritus. Sie müssen sich daher entscheiden, ob Sie in der evan­gelischen Kirche nach deren Ritus (und mit Beteili­gung des katholi­schen Geistlichen) oder in der katholischen Kirche entspre­chend ihrer Liturgie (mit Beteiligung des evangelischen Pfarrers/Pfarrerin) heiraten möchten. Wenn Sie später Kinder taufen lassen wollen, müssen Sie sich auch für eine Konfession entscheiden. Überlegen Sie, welcher der beiden Partner die stärke­re religiöse Bindung hat und später auch die religiöse Erziehung der Kinder haupt­sächlich übernimmt.

Wenn Sie sich für die evangelische Kirche entscheiden, braucht der katholische Part­ner eine „Dispens”, das ist eine Freistellung von der katholischen Eheschließungsform. Die Dispens wird auch benötigt, wenn die Trauung in der evangelischen Kirche ohne Mitwirkung eines katholischen Geistlichen gefeiert werden soll. Die Dispens bekom­men Sie durch das katholische Pfarramt in der Regel ohne Probleme.

Kirchliche Trauung auch ohne Stan­desamt?

Seit Januar 2009 ist eine kirchliche Trau­ung auch ohne Standesamt möglich. Eine kirchliche Trauung durfte vor diesem Ter­min erst dann durchgeführt werden, wenn die Ehe zuvor auf dem Standesamt für gül­tig erklärt worden war. Mittlerweile sind kirchliche Trauung und staatliche Trauung nicht mehr zwingend aneinander gebun­den. Man muss aber beachten, dass eine kirchliche Trauung vor dem staatlichen Gesetz nicht als Ehe gilt; alle rechtlichen Konsequenzen entfallen. Wegen dieser Schwierigkeiten wird eine kirchliche Trau­ung in der katholischen Kirche ohne stan­desamtliche Ehe nur in Ausnahmefällen genehmigt.

Können wir die Trauungsfeier mitgestalten?

Natürlich können Sie das, es ist sogar er­wünscht! Sie können mitwirken bei der Auswahl von Lesung und Evangelium, von Liedern und Gebeten. Sie können für an­sprechende Musik bzw. Musiker sorgen, aus Ihrem Verwandten- und Bekannten­kreis können Sie Lektoren vorschlagen oder jemanden bitten, der die Fürbitten gestaltet und vorträgt. Sie sollten das alles aber mit Ihrem Seelsorger besprechen.

Brautmesse oder Wortgottesdienst?

Beide Gottesdienstformen sind möglich. Wenn beide Partner katholisch sind, bietet sich eine Brautmesse an. Bei konfessions­verschiedenen Ehen ist es eine Frage der Absprache. Sie sollten frühzeitig mit Ihrem Geistlichen sprechen.

Können wir uns unsere Trauungskir­che aussuchen?

Eigentlich ist der Pfarrer zuständig, in des­sen Pfarre Sie wohnen. Aber er wird keine Einwände haben, wenn Sie eine „beson­dere“ Kirche ausgesucht haben. Bei dieser Kirche müssen Sie aber sehr frühzeitig um einen Termin nachfragen; außerdem müs­sen Sie wahrscheinlich Ihren Pastor oder Diakon „mitbringen“.

Können wir auch einen besonderen Ort außerhalb der Kirche für unsere Trauung wählen?

Eine kirchliche Trauung findet in aller Re­gel im Gotteshaus statt. Trauungen in rein weltlichen Räumen oder in freier Natur (zum Beispiel in Schlössern, Burgen, Res­taurants, Leuchttürmen, Hotels, aber auch in profanierten Kirchen und Kapellen) wer­den in der Regel nicht erlaubt, weil sie für eine katholische Trauung meist nicht pas­send sind.

Muss die Braut ein weißes Kleid tragen?

Natürlich nicht! Heute unterstreicht es nur die Festlichkeit des Anlasses.

Was kostet eigentlich eine Trauung?

Eine Trauung kostet Sie nur eine geringe Gebühr. Dazu können jedoch Kosten kom­men für einen Organisten oder für beson­deren Blumenschmuck.