Jüngste Kirche Oberhausens

Die auffallende Bauweise der Katharinenkirche in Oberhausen Lirich deutet es schon an. Sie ist die jüngste Gemeindekirche auf dem Stadtgebiet von Oberhausen. Im Jahr 1979 wurde der Grundstein gelegt und schon drei Jahre später am 7. November 1982 konnte Kirchweih gefeiert werden. Allerdings verging noch ein Jahr bis die neue 3-manualige Klais-Orgel fertig gestellt und ebenerdig vor der Westwand der neuen Kirche eingerichtet werden konnte.
 

Bergschäden erforderten Neubau

Der Bergbau - im Besonderen die Zeche Concordia - prägte nicht nur über viele Jahrzehnte das Leben der Menschen im Stadtteil Lirich, sondern auch die "Kirchengeschichte" der Katharinengemeinde. Wegen Bergschäden und bedenklicher Schieflage fielen die beiden Vorgängerbauten nach 40 bzw. 50 Jahren der Spitzhacke zum Opfer. So ist die heutige Kirche, das dritte Gotteshaus, das auf diesem Grundstück gebaut wurde. Am Haupteingang sieht man den Grundstein. Er stammt noch aus der ersten Liricher Kirche. In ihm sind die drei Urkunden der Grundsteinlegungen von 1888, 1929 und 1979 eingelassen.
 

Zelt Gottes für die Liricher

Der extravagant wirkende Kirchenbau wurde nach Plänen der Architekten Funke und Craemer aus Oberhausen Sterkrade errichtet. Als Grundform wurde ein großes Quadrat gewählt, dessen Diagonalen nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. An der zeltartigen Decke ist diese Balkenkonstruktion gut zu erkennen.
 

Innerhalb des großzügigen Kirchenraums lockern kleinere Quadrate die große Würfelform auf, so dass sich dem Betrachter ein einziges großes Kirchenschiff mit 24 Ecken darbietet. Die kompliziert wirkende Struktur, wird harmonisiert durch die schlichten Baumaterialien. In grauem Beton und weißem Stein mit einem Faltwerk als Dach steht offenbar "das Zelt Gottes" in Lirich.

 

Der faltenreiche Altarstein

Der 40 Zentner schwere Altar wurde vom Bildhauer Iserlohe geschaufen. der Altarstein (Basaltlava aus der Eifel) ist wie ein kostbarer Vorhang gestaltet.

Zwölf eingelassene Bronzebilder der Künstlerin Hildegard Bienen schnüren den Faltenentwurf unterhalb der Altarplatte elegant ein. Sie zeigen 9 Szenen aus dem Leben der großen Glaubensväter und Könige des Alten Testaments und 3 Szenen aus dem Neuen Testament. (Fußwaschung, Abendmahl und Mahl der Emmausjünger). Diese Bronzebilder verdeutlichen, dass das Heil, das sich in der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel ankündigt, in der Person Jesu Christi zur Welt kam und bei jeder Heiligen Messe von neuem Gegenwart wird.

Die bedeutungsreiche Tabernakelstele

Wie der Altar wurde auch die Tabernakelstele von Iserlohe aus Basaltlava geschaffen.

Die Stele hat die stilisierte Form eines Lebensbaumes und ist an der Oberfläche kunstvoll als großer Ginsterstrauch gearbeitet. Der Ginsterstrauch findet sich auch auf der bronzenen Tabernakeltür von Hildegard Bienen wieder. Dort liegt der Prophet Elija unter einem Ginsterstrauch. Er wird von einem Engel geweckt, der Brot und Wasser bereit stellt und sagt: "Nimm und iß, sonst ist der Weg zu weit für dich!". Dieses Wort, einst an Elija gerichtet, gilt auch uns heute. Im Gottesdienst wird es uns oft vor dem Kommunionempfang zugesprochen. 

Die Liricher Kreuzgruppe 

Die Form des Kreuzes im Altarraum ähnelt der Tabernakelstele. Auch hier benutzte der Künstler Iserlohe das Symbol des Lebensbaumes.

Die Füße des Gekreuzigten ruhen auf einem halben Rad. Auf einem halben Rad umstehen auch die aus Wenge-Holz gefertigten Kerzenleuchter das Kreuz. Das zerbrochene Rad ist das "Erkennungszeichen" der hl. Katharina, der Kirchenpatronin von Lirich. Der Kopf des Gekreuzigten ist tief herabgesunken. Christus scheint gleichsam enthauptet. Auch die hl. Katharina erlitt das Martyrium der Enthauptung. Die Kreuzgruppe ist so gesehen mit besonderem Lokalkolorit behaftet, wenn man bedenkt, dass das Rad an die Fördertürme des Bergbaus erinnert und die Katharinenkirche direkt neben einer Abraumhalde steht.
 

Die wiedergefundene Katharina  

Die Statue der hl. Katharina steht in einer Nische zwischen den beiden Eingängen. Sie stammt noch aus der ersten Kirche von 1888. In der zweiten Kirche wurde sie nicht aufgestellt, denn man fand sie bei den Abbrucharbeiten im Jahr 1978 in einer Abstellkammer unter dem Kirchturm wieder.
  Die hl. Katharina wurde während der Christenverfolgung unter Kaiser Maxentius (305 - 312) enthauptet, nachdem das Rad, mit dem sie ursprünglich gerädert werden sollte, zerbrach.
Im Gedenken an Katharina Krüßmann vom Bonmannschen Hof, die den Liricher Katholiken Grundstück und Geld für den ersten Kirchbau stiftete, wurde die hl. Katharina von Alexandrien zur Patronin der Pfarrei erhoben.

Der alte Taufstein

Ebenfalls in der Nähe des Eingangs befindet sich die Taufkapelle mit dem wuchtigen Taufstein, der aus der zweiten Kirche von 1929 stammt.

Er trägt die Umschrift: QUI CREDIDERIT ET BATIZATUS FUERIT SALVUS ERIT (Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden.)
Die Engel auf dem Metalldeckel wollen daran erinnern, dass für jeden Getauften der Himmel offen steht. 

 

Die berühmten Fenster

Die künstlerische Verglasung der Kirchenfenster stammt von Professor Schreiter und wurde in der Werkstatt Derix in Taunusstein gefertigt.
Die schlichte, ornamentale Gestaltung der Glasfenster mit den rot-braun ovalen Formen kommt der Eigenart und dem Formkonzept der Kirche besonders entgegen.
Einzelne Bibelstellen sind in den Fenstern angegeben, z. B. im Nordfenster Psalm 124,7: "Unsere Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen. Das Netz ist zerrissen und wir sind frei." Macht man sich die Mühe sie nachzuschlagen, dann künden die aufgebrochenen ovalen Formen, die Brandspuren und angedeuteten Risse, die das Ordnungsgefüge zu zerstören scheinen, überraschend eine österliche Botschaft: "Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden."

 

Text und Fotos:          Dorothea Keil
Seitengestaltung:      Wolfgang Dören