Klosterkirche Zu Unserer Lieben Frau

Die Kirche

Es war 1922, als die Pfarrei St. Josef in Oberhausen-Styrum für den stark angewachsenen Ostteil ihres Bereichs einen eigenen Seelsorgebezirk einrichten durfte, den Missionare vom heiligsten Herzen Jesu, die „Hiltruper Patres“ aus dem Bistum Münster, seither betreuen. 

Aus einem Gastwirtschaftssaal entstand eine erste dreischiffige Notkirche. Am 31. Mai 1922 war Kirchweihe. 1924 wurden ein Chorraum, eine Sakristei und ein Glockenturm angebaut. Im Kriegsjahr 1943 fielen Kirche und Kloster den Bomben zum Opfer. Nur der Turm und die Kellerräume blieben bestehen. Wiederum begann der Gottesdienst in einer Notkirche, die dann durch den Neubau der jetzigen größeren Kirche abgelöst wurde. 

Dieses Gotteshaus, nach Plänen von Gottfried Böhm aus Köln erbaut, erhielt am 9. November 1957 seine Weihe und die Klosterkirche wurde im gleichen Jahr selbständige Pfarrei. Die besondere Verbindung von Christus zu Maria wird bei der Grundsteinlegung (14. Oktober 1956) in der Aufschrift „Per Mariam ad Cor Jesu“ (Durch Maria zum Herzen Jesu) besonders hervorgehoben. Der Standort an der vom Verkehrslärm beherrschten Nord-Süd-Achse der Stadt erklärt die fensterlose Straßenfront. Diese lässt manchen glauben, eine kleine wehrhafte Gottesburg in ihr zu sehen, die alles Laute und Profane abzuwehren sucht. Von der Mülheimer Straße her betritt man den knapp bemessenen, mit einem stählernen Gerüst architektonisch gefassten Vorplatz. Hier grüßt die Schutzherrin als lebensgroße neugotische Statue „Unserer Lieben Frau“, die aus den Trümmern der Kriegszeit unversehrt geborgen worden konnte. Zwischen Kirche, Wohnhaus und Büroräumen nimmt die Idylle des kreuzgangartigen Garteninnenhofes den Stille suchenden Gast in Empfang.

Eine Umkehrung des äußeren Eindrucks vermittelt das Innere der Kirche. Architektonisch wird dieser Raum, der das Bundeszelt des alttestamentlichen Gottesvolkes als künstlerische Leitidee hatte, von einer Fensterwand beherrscht, die aus über 1000 rechteckigen Glasscheiben besteht und in die zahlreiche Mariensymbole nach bemessenem Rhythmus eingestreut sind. Es ist ein mit Passionsblumen übersätes „gläsernes Meer von Kristall“, wie es die Apokalypse nennt, ein blumenreiches Bilderbuch, das sich im umlaufenden Obergaden fortsetzt und zu besinnlichem Beschauen einlädt. Sie zeigt in den einzelnen Darstellungen die besondere Stellung Mariens innerhalb des Heilsplanes Gottes und der Kirche und die enge Beziehung zwischen Christus und Mari

Die liturgischen Bereiche, die Zuordnung der versammelten Gemeinde und der Orte des heiligen Geschehens, nehmen die Anregungen der Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils vorweg. Von drei Seiten umstehen die Gläubigen den Altar und haben so freien Blick auf diesen zentralen Ort.


 

Der schlichte Backsteinbau unter flachem Pyramidendach trägt einen nadelspitzen Dachreiter, ein Pendant zu einer zweiten schlanken Kegelspitze über dem Standort der Patronin. Diese beiden Akzente verbinden sich mit dem alten Kirchturm zu einem Dreiklang, der städtebaulich signifikant macht, dass hier etwas außerhalb des Alltäglichen stattfindet. Hier kann man aus dem geschäftigen Treiben heraustreten und in Stille sich besinnen und schauen. Die Kirche, der sich ein für Böhm ebenfalls charakteristischer Kreuzgang anschließt, wurde schon in die Liste der Baudenkmäler des Rheinlandes aufgenommen. 

Renovierungen der Kirche

1976 begann eine Reihe von Renovierungen der Kirche. Zunächst wurde das große farbige Glasfenster erneuert, weil sich die Konstruktion durch Korrosion stark verzogen hatte und dadurch das Fenster vom Einsturz bedroht war. Die neue Glaswand entstand 1979 genau nach der Vorlage des alten Fensters ( Denkmalschutz ), aber unter Verwendung korrosions-beständiger Materialien. Aus statischen Gründen durfte das Fenster keine Lüftungsflügel mehr enthalten. Die Lüftungsaggregate wurden in der Obergadendecke angebracht, die dazu abgehängt werden musste. Da die Orgel auf der Empore aber mit ihren Pfeifen bis zur Decke reichte, musste auch die Orgel am 8.10.1979 abgebaut werden. Nun begann ein reger, häufig auch hitziger Meinungsbildungsprozess in der Gemeinde. Erste Frage war die des Standortes der neuen Orgel und zweitens, ob überhaupt ein so teures Instrument gebraucht würde. Schließlich die salomonische Entscheidung: Wenn es gelingt, in kurzer Zeit etwa ein Drittel des Anschaffungspreises für eine neue Orgel aufzubringen, ist das der Beweis: Die Gemeinde will eine neue Orgel. In der Zeit vom 1.5. bis 31.12.1981 wurden von der Gemeinde 100.000,-- DM aufgebracht. 

Damit war die Entscheidung gefallen. Am 11. März 1984 konnte so die neue Orgel der Firma Oberlinger aus Windesheim bei einem Festakt feierlich eingeweiht werden. Übrigens: der Standort der Orgel richtete sich nach den akustischen und liturgischen Voraussetzungen des Kirchenraumes und ist links vom Chorraum. Orgel und Chor rücken näher an die Gemeinde heran, so dass Orgel, Chor, Gemeinde und die Geistlichkeit noch stärker eine Einheit bilden.

Zwischen 1985 und 1987 wurde der Kreuzgang zum Kloster hin verbreitert und darin eine Kapelle für die Werktagsgottesdienste und das Pfarrbüro eingerichtet.

1988 wurde an der Kirchenwand zur Mülheimer Straße hin eine ebenfalls von Egon Stratmann entworfene Historientafel eingefügt. Sie zeigt den Bau der Kirche (blau unterlegt), die Schließung des Klosters, die Vertreibung der Ordensleute und die Einschränkung der Gemeindearbeit durch die Nationalsozialisten (braun unterlegt) und die Zerstörung der Kirche durch dem Krieg (rot unterlegt). Das große Mittelfeld mit der Aufzählung der Daten zeigt den Grundriss der neuen Kirche nach den Plänen von Prof. Böhm.

 

Schließlich (1990 ) wurde unser Kirchturm von außen durch die Firma Abbenhaus sehr schön restauriert und von einem Wetterhahn gekrönt. Durch den neuen farbigen Anstrich ist der Turm ein richtiger „Hingucker“ geworden.

Pfarrheim

Erste konkrete Überlegungen entstanden am 8.2.1990 mit einem Treffen von Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat und Interessierten aus der Gemeinde. Hierbei wurde der Architekt Erwin Gütle gebeten abzuklären, welche Möglichkeiten im Bereich der jetzigen Turnhalle und früheren Notkirche sinnvoll möglich wären. Nach einer intensiven Planungsphase mit dem Kirchenvorstand, Herrn Pater Roos, dem Bauausschuss und dem Architekten, Herrn J.Wagner, konnte am 28.April 1996 nach elf-monatiger Bauzeit das neue Pfarrheim eingeweiht werden. Finanziert wurde die Gesamtmaßnahme zu ca. zwei Drittel durch das Bistum und einem Drittel durch Spenden und Eigenleistungen der Gemeinde. Hervorzuheben ist, dass der ganze Komplex durch die Spendenfreudigkeit und Aktivitäten der Gemeinde in kurzer Zeit schuldenfrei war. So hatte die Gemeinde nun endlich - nach langer Wartezeit - die Möglichkeiten bekommen, ihre wichtigen verbindenden gemeinschaftlichen Aktivitäten in einem sehr schönen Umfeld durchführen zu können.

 

Renovierung des Kirchturmes

Unser Kirchturm wurde 1924 von Gemeindemitgliedern gebaut und im Krieg nicht zerstört. 1990 bekam das Dach eine neue Kupferabdeckung und der Turm einen neuen Anstrich. Im Oktober 2013 wurde zufällig bei der Innenreinigung des Kirchturms festgestellt, dass die Dachbalken sehr marode sind und die Befestigung des Daches (Höhe einschließlich Kreuz und Hahn: ca. 7 Meter) im seitlichen Mauerwerk nicht mehr fest genug verankert ist. "Beten Sie, dass kein starker Sturm kommt", so hieß es. Der Gutachter stellte fest, dass der gesamte Turm von innen starke Risse im Mauerwerk hat und die Zwischendecken instabil sind. Sofort wurde, zum Leidwesen der Gemeinde, aus Sicherheitsgründen das Glockenläuten verboten. Ab 11.4.2014 begannen die erforderlichen, aufwändigen Renovierungs - und Sanierungsarbeiten: Einrüsten des Turms, Kupferabdeckung, Verlegen der im Turm befindlichen Sendeantennen, Stemmarbeiten in den Wänden für die neuen Verankerungen, Demontage des Kreuzes mit Hahn, Zersägen und Abtragen der verrotteten Dachbalken. Ein Aufzug erleichterte die schweren Arbeiten aus 26 m Höhe. Der neue Dachstuhl (computerberechnet) wurde auf dem Klosterhof zusammengebaut, das Kreuz und der Hahn neu gestrichen und am Sonntag, den 1.6. unter großer Teilnahme der Gemeindemitglieder von Pater Roos gesegnet.Am Montag, 2.6. wurde von der Josefstraße aus mit einem 60 t schweren Kran zunächst das Kreuz mit dem Hahn auf den Dachstuhl gesetzt und von den Zimmerleute verankert. Anschließend zog der Kran das an vier massiven Ketten hängende Dach (Gewicht insgesamt 2.5 Tonnen) auf den Kirchturm, wo es sofort von den Zimmerleuten im neuen Betonrähm verankert und mit einer wasserdichten Folie abgedeckt wurde. Die vielen Gemeindemitglieder, die über Stunden in Verbundenheit mit ihrer Gemeinde ausharrten, um bei diesem Ereignis zuzusehen, wie ihr Kirchturm das neue Dach bekommt, stimmten ein Loblied an. Das WDR Fernsehen brachte abends in der Lokalzeit einen längeren Bericht über diese spektakuläre Aktion.

 

Text und Fotos: Dieter Driessen

Text und Fotos "Renovierung des Kirchturmes": Anne Ahrens

Gestaltung: Christian Vögelin 

 

Quellen + Literatur:
Abbild des Himmels von Heinz Dohmen-1977
Chronik der Klosterkirche 1998-Josef Führ, Hans Schwörer
Die neue Oberlinger Orgel in der Klosterkirche 1984
Die Mariensymbole in der Glaswand U.L.F., Karin Hammes 1985
Verschiedene Artikel aus alten Pfarrbriefen von Irmgard Trieb